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Der dritte Kreuzzug

von K. Brandt - Januar 2001

Die Routen der Kreuzfahrer

Am 1. Juli 1187 erobert Saladin die Stadt Tiberias. Die Armee des Kreuzfahrerstaates, versehen mit der Reliquie des wahren Kreuzes, rückt gegen ihn vor. Als sie die Hörner von Hattin erreichen, sieht es schon sehr kritisch für die Franken aus, denn sie haben kein Trinkwasser. Der Zugang zum See Genezareth ist durch starke Kräfte Saladins blockiert. Das Heer schlagt bei den Hörnern von Hattin ihr Lager auf. Als der Morgen anbricht, greift Saladin an. Die Muslims sind in der Übermacht. Die Ritter versuchen verzweifelt die Muslims zurückzuhalten, jedoch scheitern sie an der Überzahl des Feindes. Schließlich fällt der Bischof von Akkon, der die Kreuzreliquie trägt. Nur einem kleinen Trupp unter dem Grafen von Tripoli gelingt der Durchbruch. Es gibt jedoch kein Entkommen. Die Schlacht bei den Hörnern von Hattin ist verloren!

Der Chronist Abu Sama:

"Die Toten lagen weithin über Berg und Tal zerstreut, der Leichengeruch verbreitet sich in der Umgebung Hattins. Ich habe Köpfe fliegen und die Augen sich verdrehen sehen. Ich sah sie da liegen, nackt oder in zerfetzten Kleidern, mit zerbrochenen Kreuzen, abgeschnittenen Köpfen, Füßen, Nasen und sonstigen Extremitäten, mit ausgestochenen Augen, aufgeschnittenen Leibern. Wie Steine unter Steinen liegen sie durcheinander."

Am 4. Juli 1187 hat das Heer des Königreiches aufgehört zu existieren. Diejenigen, die überlebt haben, werden versklavt. Die Templer und Johanniter jedoch werden auf Befehl Saladins abgeschlachtet. Nach dieser Tat wendet Saladin sich der Rückeroberung zu. Die einzelnen Heere treffen selten auf Widerstand, denn es gibt kaum noch waffenfähige Männer.

Am 20. September 1187 fällt Saladin in Jerusalem ein. Auch dort trifft er auf wenig Gegenwehr. Er greift die stark befestige Stadt mit allen Regeln der Kunst an. Wurfmaschinen werden eingesetzt, auch Steinschleudern, und die Bogenschützen lassen ihre Pfeile wie Regen auf die Stadt niederprasseln. Dann unterhöhlen sie die Stadtmauern und lassen sie einstürzen.

Der Patriarch Balian von Ibelin, der zur Zeit das Kommando hat, beschließt, mit Saladin zu verhandeln, um ein Blutbad zu verhindern. Die Eroberung geht unblutig vorrüber, und alle werden gefangen genommen. Die unbemittelten und älteren Gefangenen lässt Saladin frei. Die anderen müssen sich mit einem Lösegeld freikaufen.

Als die Flüchtlinge aus dem heiligen Land mit der Nachricht vom Fall Jerusalems Europa erreichen, ist das Abendland entsetzt. Die Kreuzzugsidee und das Zerrbild des barbarischen Heiden wird wiederbelebt. Die Kirche betreibt Propaganda. Es werden gar schaurige Geschichten über die Muslims erzählt, wobei man bis heute noch nicht genau weiß, ob alles der Wahrheit entspricht.

Der Papst ruft zum Kreuzzug gegen die ungläubigen. Der deutsche Kaiser und die Könige von England und Frankreich nehmen das Kreuz. Am 11. Mai 1189 bricht das deutsche Heer von Regensburg auf. Richard Löwenherz trifft auch Vorbereitungen Für den Kreuzzug. Im Sommer 1190 sind dann endlich alle Vorbereitungen abgeschlossen.

Am 2. Juli versammeln sich die Heere von Phillipp II., König von Frankreich und Richard Löwenherz, König von England, in Vezelay.

Die Heere brechen jedoch getrennt nach Süden auf. Richard kommt auf dem Seeweg im September in Messina an. Er schlägt dort sein Lager auf, und bleibt nicht untätig. Richard führt ein Angriff auf Messina. Nach heftigen Kämpfen fällt die Stadt.

Der Chronist Ambroise:

"Die Tat war schneller noch vollbracht, als der Priester Frühandacht. Ein Blutbad drohte in der Stadt, was Richard dann verhindert hat."

Richard nimmt Geiseln und lässt seine Fahnen über Messina aufziehen. Tankred löst die Geiseln mit Gold aus. Ein Waffenstillstand wird geschlossen.

Durch Winterstürme wird die Weiterreise verhindert, und die Kreuzfahrer müssen ein halbes Jahr in Messina verbringen. Im April 1191 bricht die Flotte nach Palästina auf. Ein Sturm trennt die Flotte, sodass Richard auf Rhodos landen muss, und drei seiner Schiffe nach Zypern abgetrieben werden. Die ankommenden Schiffe werden angegriffen, geplündert und die Überlebenden werden gefangen genommen. Der Stadthalter Isaak hat die Macht illegal an sich gerissen. Richard beschließt die Insel zu erobern. Am 8. Mai landet er mit seiner Armee auf Zypern. Es stellt für ihn keine große Schwierigkeit dar die Insel einzunehmen. Der Stadthalter Isaak jedoch erkennt Richard nicht als Oberherrn an, welcher sich dann mit seinen Verbündeten gegen ihn richtet. Isaaks Streitkräfte werden niedergeschlagen und er wird gefangengesetzt. Mittlerweile trifft Phillipp August in Akkon ein.

Bald darauf verkauft Richard Zypern an den Templerorden. Für einhunderttausend Goldstücke. Die Templer können den Betrag jedoch nicht sofort stellen, und pressen deshalb das Geld aus der Bevölkerung. Was dem Orden nicht besonders zuträglich ist.

Richard zieht weiter nach Tyrus. Am 6. Juni 1191 kommt er dort an. Ihm wird aber durch Konrad von Montferrat, der sich mit Phillipp verbündet hat, der Zutritt verwehrt. Die Ankunft von Richards Flotte vor Akkon verschlechtert die Lage der Muslims erheblich, denn Richard versenkt die Schiffe, die Nachschub bringen sollten. Es wird erbittert gekämpft. Sowohl zwischen den Kreuzfahrern und Muslims, als auch intern. Bei den Kreuzfahrenr gibt es Steitereien um den Anspruch auf den Königstitel. Phillipp fordert die Hälfte der Insel Zypern.

Saldin ist verbittert. Er hat Schwierigkeiten sein Streitkräfte zu verstärken. Dann, Ende Juni werden seine Aufrufe endlich erhört. Es trifft Verstärkung ein. Die Angriffe des Verstärkungsheeres auf die Verschanzung der Kreuzfahrer bleibt jedoch ohne Erfolg. Die Lage ist für Saladin aussichtslos. Es muss verhandelt werden! Er bietet zweihunderttausend Goldstücke, alle Güter in der Stadt und die Rückgabe des wahren Kreuzes, wenn die Stadt verschont wird. Richard und Phillipp willigen ein. Am 12. Juli 1191 fällt Akkon wieder in die Hände der Kreuzfahrer. Phillipp August muss die Heimreise antreten, da er erkrankt ist.

Als Saladin die erste Rate des Lösegeldes und einen Teil der Gefangenen anbietet, fehlen die wichtigsten Gefangenen und die Reliquie des wahren Kreuzes. Daraufhin lässt Richard am 20. August alle seine muslimischen Geiseln enthaupten. Nach dem Chronisten Ambroise sollen über zweitausendsiebenhundert Männer, Frauen und Kinder hingerichtet worden sein.

Zwei Tage nach dem Massaker bricht Richard mit seinem Heer nach Jerusalem auf. Saladin greift das Heer von der Landseite unablässig an, und lichtet so die Reihen. Ab Caesarea werden die Kämpfe immer erbitterter. Die Kreuzfahrer haben Schwierigkeiten mit der dort herrschenden Hitze. Sie können die Rüstungen nicht mehr ablegen, da sie ständig attackiert werden. Richard zieht eine Verhandlung in Erwägung.

Am 5. September trifft Richard Saladins Bruder al-Adil um zu verhandeln. Richard fordert die Übergabe ganz Palästinas. Al-Adil bricht die Verhandlungen ab, da die Forderungen nicht erfüllbar sind. Zwei Tage später treffen Saladins Truppen in Arsuf auf die schwergepanzerte Kavallerie Richards. Saladin muss das Feld räumen. Da er in dieser Schlacht unterlegen ist.

Richard versucht erneut zu verhandeln, da die gegnerischen Truppen zum größten Teil noch intakt sind und seine Positionen in Europa, Zypern und Akkon gefährdet sind. Er schlägt vor, dass seine Schwester Johanna Saladins Bruder heiraten soll, und somit die Küstenstädte als Mitgift erhalten soll. Sie sollen dann in Jerusalem residieren und die Stadt soll für die Christen geöffnet werden. Johanna allerdings gefällt die Idee nicht. Seine nächste Vorstellung ist, dass al-Adil Christ werden soll. Dies gefällt al-Adil jedoch nicht. Somit kommt keine Einigung zustande.

Saladin nutzt währenddessen die Zeit der Verhandlungen um die Befestigung Jerusalems zu verstärken. Im Dezember rückt Richard nach Latrun ins Landesinnere vor. Sie sind nun noch eine Tagesreise von Jerusalem entfernt. Es ist kalt und regnerisch. Der einheimische Adel rät Richard von einer Belagerung ab, da das Heer ziemlich geschwächt ist und die Truppen auch nicht ausreichen. Richard zieht sich zum Meer zurück. Er lässt die Küstenstadt Askalon wieder aufbauen. Die Aussicht, als Befreier Jerusalems gefeiert zu werden, verblasst immer mehr. Das Gold wird immer weniger.

Im Februar 1192 reist Richard nach Akkon, um die Verhältnisse dort zu klären, da die Fraktionen sich dort gegenseitig bekämpfen. Richard führt einen Waffenstillstand herbei und kehrt nach Askalon zurück. Dort muss er erfahren, dass Rainald von Sidon und Balian von Ibelin im Auftrag Konrads mit Saladin verhandeln. Diesmal sieht sich Richard bei den Verhandlungen mit al-Adil realistischen Vorstellungen gegenüber. Bei einem Waffenstillstand sollen den Christen alle eroberten Städte und der Zugang nach Jerusalem garantiert werden. Richard willigt ein, auch das Konrad König wird. Guido kauft mit Richards Unterstüzung den Templern die Insel Zypern ab. Richard erhalt die Nachricht aus England, dass sein Bruder Johann nach der Macht greift, und das Phillipp August in Frankreich vertragsbrüchig geworden ist. Er beginnt Vorkehrungen für die Abreise zu treffen.

Kurze Zeit später wir Konrad ermordet. Es wird gemunkelt, dass Saladin oder Richard das Attentat veranlasst haben.

Richard unternimmt noch einen vergeblichen Angriff auf Jerusalem. Saladin versucht erfolglos Jaffa zu erobern. Da keine der beiden Seiten eine Entscheidung erzwingen kann, schließen sie einen Waffenstillstand über 5 Jahre. Die Küstenstädte bleiben in der Hand der Christen, nur Askalon muss abgerissen werden. Pilgern wird der freie Zugang zu den heiligen Stätten garantiert.

Im Oktober 1192 tritt Richard die Heimreise an. Sein Ziel, Jerusalem zu erobern, hat er nicht erreicht. Sein Verdienst ist es aber, dass ein Küstenstreifen wieder in der Hand der Christen ist.

Während den Kreuzzügen ist sehr viel Blut vergossen worden. Sowohl auf der Seite der Muslims, als auch auf der Seite der Christen. Die Kirche war nicht ganz unschuldig an dem, was sie Christen im heiligen Land getan haben. Die Kreuzzugspropaganda und das Bild des barbarischen Heiden, das von der Kirche publiziert wurde, hat ihr übriges dazu getan. Von beiden Seiten ist getötet und gestorben worden für die Religion, den König, das Volk und Vaterland.