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Met im Mittelalter

von Th. Müller - März 2006

Vorab: Der mittelalterliche Aspekt bildet hier den Schwerpunkt. Es geht aber auch um die Zeit davor und danach, da es das Getränk nicht nur im Mittelalter gab. Daneben wird als Exkurs auch der das Thema „Met“ berührende und das Mittelalter insgesamt stark beinflussende Randbereich wechselnder Klimabedingungen angesprochen.

 

Was ist Met?

Met ist ein alkoholisches Getränk, das durch die mehrmonatige Gärung eines Honig-Wasser-Gemischs mittels geeigneter Hefe entsteht.

 

Nicht die Wikinger haben den Met „erfunden“!

Nach Schätzung von Historikern haben Germanen weit vor den Wikingern, vor über 3000 Jahren Met hergestellt. Der älteste archäologische Beleg für Met stammt aus einem bronzezeitlichen Mädchengrab in Dänemark (11. Jahrh. vor Christus). Unter Grabbeigaben befand sich ein Gefäß aus Birkenrinde mit den Überresten eines Metgetränkes aus Lindenblütenhonig, das mit Getreidekörnern und Beeren vermischt worden war.

Eine Erklärung, wie man auf den Met gekommen ist, ist die ungenügend luftdichte Lagerung von Pollen. Wie Ausgrabungen beweisen, wurden Pollen im Winter und auf Schiffsreisen von den nordischen Völkern zur Verhinderung von Skorbut reichlich eingenommen. Diese Pollenvorräte wurden, um sie vor dem Verderben zu bewahren, mit Honig beschichtet. Wurde ungenügend reifer und damit zu wasserhaltiger Honig zum Überschichten benutzt oder wurde ein Behälter undicht, dann konnte der Inhalt aus der Luft Wasser ziehen und es setzte eine unbeabsichtigte „Spontangärung“ ein. Die Gärung ist ab einem bestimmten Punkt an ihrem natürlichen Ende angelangt. Der Alkohol tritt in Geschmack und Wirkung voll zutage, während der Pollen seine reiche Wirksubstanz aus Eiweißen und Vitaminen beibehält. So entstand unbeabsichtigt Met.

Da man anfangs die entsprechenden Hefen nicht hatte, konnte Met nur durch Zufallsgärungen entstehen und gelang daher nicht immer. Da die Germanen dies und die berauschende Wirkung nicht verstanden, schrieben sie es einem geheimen Zauber zu und so wurde Met bald zum „Getränk der Götter“, das im Rausch göttliche Kräfte auf den Menschen übergehen ließ.

Das Wort „Met“ entstammt dem indogermanischen „Madhu“, was soviel wie „süßer Trank“ bedeutet.

Will man den antiken Medizinern glauben, so hat Met nicht nur eine berauschende sondern auch eine heilende Wirkung. Die desinfizierende Wirkung von Alkohol ist allgemein bekannt. In den antiken medizinischen Lehrbüchern wird Met als Arznei für verschiedene Beschwerden empfohlen. Er wurde vor allem bei Erkrankungen der Atemwege und bei Magen- und Darmbeschwerden eingesetzt. Bei Geschwüren und Entzündungen in der Rachenhöhle sollte Spülen und Gurgeln mit teils durch Kräuter angereichertem Met helfen.

 

Met im Mittelalter

Die Tatsache, dass Karl der Große um 800 vorschrieb, auf Landgütern müsse die Bienenzucht und die Herstellung von Met betrieben werden, weist auf die Bedeutung des Getränks im frühen Mittelalter hin – zumindest scheint Karl das Getränk nicht verachtet zu haben – Met soll auf keiner kaiserlichen Festtafel gefehlt haben.

In Klöstern wurde er immer mehr auch als Heilmittel(!) und Heilmittelträger durch den Zusatz von Kräutern verwendet. In den Ansatz spuckte man ein paar mal kräftig hinein, damit er besser gelinge. Dass das kein purer Aberglaube war, kann heute belegt werden, denn Speichel enthält verschiedene Enzyme, die schon im Magen einen Gärprozess einleiten. Sicherlich sollte man diese Methode in ihrer Wirkung nicht gerade überbewerten!

Das älteste erhaltene Metrezept aus dem ersten deutschen Kochbuch („Buoch von guter Spise“, um 1350) beschreibt die Herstellung von Met, der mit Hopfen und Salbei gewürzt wird.

Bis zum 12. Jahrhundert wurde Met von allen Bevölkerungsschichten getrunken. Ab etwa dieser Zeit bevorzugte der Adel jedoch den teureren Wein, einerseits, um sich vom Rest der Bevölkerung abzugrenzen, andererseits, weil die Qualität des Weins durch einen Klimawandel verbessert wurde.

Das 2. Jahrtausend begann mit einer relativ warmen Klimaepoche. Der Höhepunkt dieses „Klimaoptimums“ lag in Island und Nordamerika um 1100, in England um 1200 bis 1300. In einzelnen Regionen wie etwa in England lagen die Temperaturen im Mittel um 1 bis 1,5° höher als im 20. Jahrhundert, was u.a. hier den Weinanbau ermöglichte. Die Besiedlung Islands und Grönlands und die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger fielen in diese Zeit.

Zwischen 1200 und 1400 verschlechterte sich das Klima rapide, und nach dieser Klimawende begann die sogenannte „Kleine Eiszeit“, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts andauerte.

 

(www.zum.de)

Ganz Europa war im 14. Jahrhundert von kalten Sommern und Missernten heimgesucht, und viele Regionen verzeichneten Bevölkerungsrückgänge, die die durch die Pest sogar noch übertrafen. Die normannische Besiedlung Grönlands endete mit einer Katastrophe und musste infolge der dramatischen Wetterverschlechterung im 16. Jahrhundert schließlich ganz aufgegeben werden.

Zwischen 1350 und 1400, als der Klimawechsel schon drastisch spürbar war, war der Met bei Bürgern und Bauern noch gleichermaßen beliebt, so dass sich mehr und mehr Metschenken und Metsieder in den Städten niederließen. Die Tätigkeit des Metsiedens lag in den Händen des Lebzelters, eines Berufsstandes, der zum Ende des 12. Jahrhunderts erstmalig erwähnt wird und eigentlich drei Tätigkeiten vereinigte: Metmachen, Kerzenziehen (Bienenwachs) und Herstellung von Lebkuchen (Honigkuchen). Der Zusammenhang dieser Tätigkeiten ergibt sich durch die verarbeiteten Rohstoffe Bienenhonig und Bienenwachs.

Im Verlauf des Mittelalters wurde der Met aber immer mehr vom billiger herzustellenden Bier verdrängt. Dies hat einen bestimmten Grund:

Hatte man früher zuwenig angelegte Bienenvölker in relativer Nähe der Behausungen, so hatte man immer noch die Möglichkeit, in die (noch) riesigen Wälder zu gehen und wilde Bienenvölker aufzusuchen, um an Honig zu gelangen, aus dem man Met herstellen konnte. Durch den immensen Holzbedarf der mittelalterlichen Menschen fand ein Wechsel von walddominierten Landschaften zu felddominierten Landschaften statt, was schlicht heißt, dass die Waldflächen zugunsten Felder und Wiesen kleiner wurden. Dies widerum bedeutet, dass wilde Bienenvölker seltener wurden, die verfügbaren Flächen zum Getreideanbau sich aber deutlich vergrößerten. Im Verbund mit verbesserten landwirtschaftlichen Anbaumethoden war es nun möglich, mehr Getreide zu produzieren, aus welchem man nicht nur Brot und Getreidebrei herstellte, sondern eben auch Bier. Bier war jetzt in größeren Mengen produzierbar und der Preis dafür sank.

Der Todesstoß für die Herstellung von Met war aber endgültig der 30-jährige Krieg in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der die gesamte deutsche Bienenzucht auf Jahrhunderte völlig zerstörte.

 

Quellen

hexenkueche.de

gobal-christmas.com

lederkram.de

Was ist Met?, Andrea Hagendorn / Andreas Motschi, www.ag.ch/vindonissa