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Schildbauanleitung
von K. Brandt - Dezember 1999
BauanleitungEs werden möglichst dünne Sperrholzplatten (<= 4mm) benötigt. Eine Gesamtdicke des Schildes von 12-15mm ist vollkommen ausreichend und historisch belegt. Im Baumarkt werden verschiedene Hölzer angeboten. Am besten geeignet ist Lindenholz, da es leicht und nicht allzu langfaserig ist, die Fasern laufen auch nicht kerzengerade, sondern sind in sich und gegeneinander verdreht. Im englischen wird das als "interlocking grain" bezeichnet. Es kann aber auch jedes andere Holz verwendet werden. Allerdings ist zu beachten, dass insbesondere beim billigen Pappelholz die Stabilität leidet. Ein gutes Preis/Leisungs-Verhältnis bietet Limba. Das ist ein Tropenholz, das sich durch sein geringes Gewicht bei hoher Elastizität auszeichnet. Die Größe der Platten richtet sich nach der gewünschten Schildform. Für einen Kite-Schild hat sich als Höhe die Entfernung vom Kinn bis kurz unter das Knie und eine Breite von etwas mehr als Schulterbreite, bewährt. Auf diese Maße werden 5cm in Höhe und Breite zugegeben. Beim Zuschnitt der Platten ist darauf zu achten, dass die Faserrichtung der Platten immer wechselt, z.B. senkrecht - waagerecht - senkrecht. Um die Platten zusammen zu leimen, ist viel Leim notwendig (ca. 1 Liter). Auf keinen Fall darf Schnellbauleim verwendet werden! Die Trockenzeit ist viel zu kurz um die nötigen Arbeiten durchzuführen. Außerdem werden noch zwei U-Profile in der Länge und einer Stärke entsprechend der Gesamtdicke des Schildes benötigt. Die erste Platte wird einseitig mit Leim bestrichen, am besten mit einem Spachtel. Dann wird die zweite darauf gelegt und die Oberseite wieder mit Leim bestrichen, usw. Es besteht auch die Möglichkeit, zwischen jeder Lage Holz eine Lage Sackleinen einzuleimen. Dies erhöht noch einmal die Stabilität. Nun werden die U-Profile um die Längskanten der Platten gelegt und dann werden die Platten mit mindestens drei, besser fünf Spanngurten in die gewünschte Wölbung (6-10cm) gezogenen wird. Erst mittig der erste LEICHTE Bogen gezogen. Mit den weiteren Spanngurten werden dann die Ränder auf gleiches Niveau gebracht. Erst dann leicht an die gewünschte Wölbung heranziehen und zwar nacheinander alle stückchenweise. Hier darauf achten, dass das Holz unter Spannung steht und die Wölbung wieder etwas nachgibt. Das ganze muss nun gut 24-48 Std. trocknen. Nachdem die Spanngurte entfernt sind, wird die Schildform auf die gewölbte Platte übertragen und mit der Stichsäge ausgesägt. Nun wird der Schild von beiden Seiten mit Leinen, Leder oder Rohhaut bezogen. Jetzt fehlt nur noch die Beriemung und der Kantenschutz. Für die Beriemung finden sich sehr gute Abbildungen im "Norman Knights", Osprey. Der Schild braucht in jedem Fall eine Einfassung des Randes. Ohne diese Einfassung wird der Schild sehr schnell am Rand einreißen und sich in seine Einzelteile zerlegen. Es gibt zwei Arten für die Einfassung. Erstens die mit Rohhaut, für die es eindeutige historische Beweise gibt und zweites die mit Metall. Da es keine Funde von metallbeschlagenen Schilden aus dem HMA gibt, lässt sich die Existenz nicht eindeutig beweisen. Aber es gibt verschiedene Bildquellen, die als Metallbeschlag gedeutet werden könnten (z.B. Teppich von Bayeux). Ein Metallbeschlag für den Rand ist aber auch gar nicht nötig. Tests haben gezeigt, dass Rohhaut einen ausreichenden Schutz bietet und ist wesentlich einfacher zu verarbeiten. Für eine Randeinfassung bietet es sich an, für die Rohhaut "Hundekauknochen" zu verwenden. Der Knochen wird in warmen Wasser eingeweicht und kann dann entknotet werden. Man erhält einen Streifen Rohhaut, der nun im feuchten Zustand entweder um den Rand genagelt, genietet oder genäht wird. Der Rohhautrand wird vernäht, indem man in den Schildrand im Abstand von 3-5cm kleine Löcher bohrt, bei der Lattenkonstruktion sollten es mindestens 2 Bohrungen pro Latte sein. Über diese Löcher im Rand wird dann die eingeweichte und somit noch geschmeidige Rohhaut gezogen. Dann wird mit stabilem Sattlerzwirn, am besten doppelt genommen, durch die Rohhaut und die Löcher im Rand genäht. Ich würde die Zweinadeltechnik empfehlen, und wenn sich die Rohhaut als zu widerstandsfähig herausstellt, nehme man die Rundahle zur Hilfe. Schild aus LattenEine weitere Möglichkeit einen Schild herzustellen ist, ihn aus einzelnen Latten zusammenzuleimen. Dazu werden 2 Schichten von 10cm breiten, 6mm dicken Buchenholzlatten querverleimt. Bei dieser Bauart, ist es besonders wichtig, eine gute Einfassung des Schildrandes zu machen, denn wenn so ein Schild einen kräftigen Hieb abbekommt, setzt sich der Druck durchs Material fort. Resultat sind Schwingungen, die am Schildrand rauskommen, und diese Vibration reißt dann am Rand die Verleimung der Latten auseinander. Durch einen Rand aus dicker Rohhaut, in die der Rand eingenäht wird, ergibt sich eine relativ elastische Verbindung, die durch die Stabilität der Rohhaut ein allzu weites "Ausschlagen" der einzelnen Latten verhindert und durch die Elastizität der Naht die entstehende Energie vernichtet. KreidegrundMeines Wissens handelt es sich bei den aufwendigen Kreidegrund-mit-Relief-Schilden um reine Prunk- bzw. Funeralschilde, also Schilde, deren einzige Bestimmung es war, über dem Grab des Verstorbenen aufgehängt zu werden, meist in Verbindung mit einem Funeralhelm mit voller Helmzier (also Zimier und Helmdecke) sowie manchmal dem Schwert und Wappenrock des Toten. In dieser Fülle zu bewundern beim Grab des Schwarzen Prinzen, zugegebenermaßen 14. Jahrhundert. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass es sich bei den Schilden in Marburg um einen reinen Grabschmuck, der mal mehr, mal weniger "okinal" angefertigt wurde, handelt. Es gibt Funeralhelme, in die nie ein Futter eingearbeitet wurde, andere wiederum waren mit einem ausgerüstet. So ist es nicht weiter verwunderlich, wenn ein reiner Funeralschild mit der Beriemung und Polsterung eines Kampfschildes ausgestattet wurde.
Hier eine Bezugsquelle für Kreidegrund: H & W Rudolf-Breitscheid-Str. 79 14482 Potsdam/Babelsberg Fon &Fax: 03 31 / 71 03 68
2kg Champagnerkreide 7,90DM 1kg Knochenleim 10,50DM AnleitungEine Warnung vorneweg: Kreidegrund ist eine wahnsinnig aufwendige Geschichte, ziemlich schwierig in der Anwendung und schwer zu bekommen. Als Quelle für diese Anleitung dienten in erster Linie deutsch-, englisch- und französisch-sprachigen Newsgroups, die irgendetwas mit Kunst zu tun haben. Kreidegrund wird heute eigentlich nur noch von Restauratoren und Echt-Vergoldern benutzt, und die hüten das als Berufsgeheimnis. Es gab nur einen Vergolder, der ansatzweise bereit war, mir zu helfen. Alle hier dargestellten Sachen basieren also auf angeeignetem Wissen und Erfahrungen durch Trial-and-error. Die Grundlage für den Kreidegrund bildet ein fertig bespannter Schild. Kreidegrund besteht aus Knochenleim und einer oder mehreren Kreidesorten. Der Vorteil von Kreidegrund besteht darin, dass man eine Schicht erhält, die oben hart und darunter weich ist und man damit auch modellieren kann. Außerdem kann und muss man das Ergebnis schleifen. Der Knochenleim besteht aus einer Art Granulat mit ca. 4mm großen Körnchen, evntl. Wir er auch in anderer Form geliefert. Als Kreide wird Champagnerkreide verwendet, da sie ziemlich fein ist. Man nimmt sich einen großen Topf und lässt den Knochenleim über Nacht in Wasser quellen. Am nächsten Tag erhitzt man ihn auf 60° und SUMPFT die Kreide ein, nach Möglichkeit NICHT umrühren. Denn das größte Problem ist es, keine Luftblässchen in den Kreidegrund zu bekommen, diese äußern sich als Löcher in der Oberfläche und sind praktisch nicht mehr rauszubekommen. Nachdem man eine flüssige aber immer noch etwas breiige Masse erhalten hat, lässt man das Ganze auf ca. 25-30° abkühlen und verarbeitet es dann, möglichst in einem Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit. Aufgetragen wird der Kreidegrund normalerweise mit einem unglaublich wahnsinnig weichen Pinsel. Bei großen Flächen wie einem Schild, empfiehlt es sich, erst einmal einen breiten Spachtel zu benutzen und dann erst zu pinseln. Leider ist Eile geboten, evtl. wieder etwas erhitzen und verdünnen. Den Schild jetzt mindestens 24h trocknen lassen und schon mal neuen Kreidegrund für den nächsten Tag ansetzen, diesmal etwas dickflüssiger. Zum Aufmodellieren benutzt man am besten die handelsübliche Sahne-in-hübschen-Mustern-auf-die-Torte-Spritztüte der Frau (allerdings vielleicht nicht unbedingt mit dem sternförmigen Einsatz). Vorsicht, wenn man nicht sehr aufpasst, ist das Ding hinterher ruiniert... Direkt im Anschluss an das Aufspritzen des Musters kann man die Oberfläche noch etwas - wieder mit weichem Pinsel - mit Wasser glätten. Es ist auch möglich und belegt, die Grundierung erst mal trocknen zu lassen und dann kleine Bleche oder flache Holzteile mit Knochenleim pur aufzukleben. So ergibt sich schon mal ein Grundgerüst, welches man dann mit Kreidegrund überzieht. Schild ausgiebig trocknen lassen. Ausgiebig. Denn obwohl die Oberfläche ziemlich schnell fest wird, ist der Trick von Kreidegrund ja die geringe Festigkeit in den unteren Schichten und die bleiben noch LANGE feucht. Also am besten den Schild mal für zwei-drei Tage wegstellen. Danach die Oberfläche schleifen, normales handelsübliches Sandpapier tut's, wird aber durch den feinen Staub und den Kleber relativ schnell unbrauchbar. Nun kommen die verhassten Luftblasen durch, kann man bei größeren Löchern ein wenig ausgleichen mit Knochenleim pur, über den man dann Kreide pur stäubt und ein wenig andrückt und wieder trocknen lässt. Nicht den Mut verlieren, das Schleifen dauert seine Zeit... Nun kann der Schild bemalt werden, eine Grundierung ist nicht notwendig. QuellenIm Buch ´Die mittelalterlichen Kampfschilde in der Elisabethkirche zu Marburg´ von F. Warnecke von 1884 schreibt der Autor über den Schild des Landgrafen Konrad von Thürigen (gest.1241): "von gespaltenem Lindenholz 10 bis 12 mm dick, flach, aber infolge des Verziehens im Querschnitte etwas wellig. Der mittlere Teil (aus dem Kern des Stammes gearbeitet) sehr wurmstichig. Beiderseits mit einem Stück Pergamentleder überzogen, welches um den linken Rand gelegt und oben in einem schmalen Streifen nach der Rückseite hin übergeschlagen ist. Beiderseits Kreidegrund." [...] Die Maße dieses Schildes waren: 80 cm hoch und 73,5 cm breit, aber dies war ja auch schon kein ´Normanenschild´ mehr, sondern ein Dreieckschild. Die Schilde aus dem Marburger Dom sind in dem Schlossmuseum ausgestellt, stammen primär vom Anfang des 14. Jhdts und haben durch die Bank einen Lederbezug. Es sind dort auch zwei Schmuckschilde mit der besagten Kreidegrund- und Cuir-Boilli-Technik. Die Ordensschilde gelten jedoch als Gebrauchsschilde. Dicke etwa 12 mm komplett mit Leder bespannt. DanksagungEin großer Teil der verwendeten Informationen stammen aus einer Diskussionsrunde in der Taverne von Tempus-Vivit. Zusammen mit meinen eigenen Erfahrungen habe ich diese Anleitung erstellt. Ich möchte an dieser Stelle allen danken, die sich seinerzeit an dem Forum beteiligt haben, vor allem Gunther E. Biernat, von dem die Anleitung für den Kreidegrund stammt. |
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